Klangschalenmusik
Klangschalenmusik dient nicht der Unterhaltung, sondern der Wandlung des Zuhörers. Sie stimmt nicht zum Konsum. Ebenso das Spiel: die Klangschalen sind eigenwillig und lassen sich nicht so kontrolliert spielen wie andere Instrumente; es ergeben sich immer wieder unerwartete Klänge und Überlagerungen (Interferenzen), so dass jedes Spiel einmalig und nicht genau wiederholbar ist. Fortlaufend entstehen und vergehen Klangmuster, wodurch die Musik eine eigentümliche und unberechenbare Prozeßhaftigkeit bekommt, so als würde sie eine rätselhafte und gleichzeitig wohltuende Geschichte erzählen, deren eigentlicher Erzähler erst erkannt werden will.
Das Spielen ist vielmehr ein Zuhören und nicht ein Umsetzen von eigenen Vorstellungen und gedachten Kompositionen, es ist ein Sich-öffnen und Mitfließen mit dem, was die Klangschalen selbst anbieten und nahe legen. Die entstehenden Harmonien und unzähligen Interferenzen sind dann nicht Produkte des eigenen Willens, sondern erscheinen als Schöpfungen und Nachklänge des gesamten Universums, in dessen Wandel sie sich einfügen.
Dem entspricht auch ein anderes Zuhören. Nicht solches wie gewohnt, wo man eigene musikalische Vorstellungen und Erwartungen erfüllt bekommen möchte, sondern ein wirkliches Sich-öffnen, welches keine Grenzen setzt und ebenfalls ein Mitfließen mit dem Unerwartenden ist. So auch mit den zufälligen Geräuschen der Umwelt, die integriert werden können. Im Zuhörer entsteht ein Prozess, der mit dem Prozess der Klänge korrespondiert. Die Harmonie ist dabei der Urgrund, aus dem alles entsteht und in dem alles sich wieder auflöst.
Viele CD-Aufnahmen entstanden im Freien oder in alltäglichen Räumen, also nicht in einem Studio. Es geht mehr um den Geist der Klänge als um die Perfektion der Technik. Die ungeplanten Geräusche machen dem Zuhörer bewusst, dass es neben den Klängen noch eine andere Wirklichkeit gibt. Hinzu kommt noch die Wirklichkeit des Hörers, der seinen momentanen Zustand und seine innere Welt mit einbringt, und aus allem zusammen entsteht eine organische Bewegung, die im besten Fall für den Hörer einen heilsamen Prozess darstellt, indem sie ihn zu seiner ursprünglichen Ordnung und Ganzheit führt.
Dem offenen und feinen Zuhörer spiegeln die Klänge seinen eigenen Zustand wieder, worin er sich erkennen kann, und wenn er langfristig mit ihnen zu fließen lernt, entsteht auch ein anderer Umgang mit dem eigenen Leben. Er/sie wird nicht mehr mit dem Schicksal hadern, sondern den Sinn der Ereignisse fühlen und sich immer mehr in einem größeren Prozess der gesamten Menschheit und des Kosmos wiederfinden, dessen Ordnung und das schöpferische Eine in den Klängen durchscheinen. |